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Kalt gepresstes Boliden-Öl

Der Ölpreis ist auf Rekordniveau und damit auch die Kosten für Benzin und Diesel. In der Not suchen viele Pkw-Fahrer jetzt Alternativen. Manche von ihnen werden bald die normalen Autos ablösen. Aber auch Salatöl kann in Krisenzeiten als günstiger Treibstoff dienen.



BMW betreibt Brennstoffzellen-Forschung. Hier ein 5er, der bei Shell mit Wasserstoff betankt wird.
Foto: BMW

Darf es kaltgepresstes Olivenöl sein oder nehmen Sie Kürbiskern-, Sonnenblumen- oder gar Distelöl für Ihren Salat? So wählerisch wie der Mensch ist die Maschine nicht. Viele Dieselmotoren "speisen", wenn man sie lässt, auch anderes als ihre derzeit so teure Lieblingssorte aus Erdöl.

Schon Rudolph Diesel, Erfinder des Selbstzünder-Motors, befeuerte sein erstes Auto mit umweltfreundlichem Erdnussöl. Umweltfreundlich nicht, weil Pflanzenöl bei der Verbrennung keine Schadstoffe produzieren würde, sondern weil es keinen Schwefel enthält (der sauren Regen verursacht) und nur so viel Kohlendioxid in die Luft geblasen wird, wie die Ölpflanze vorher beim Wachstum aufgenommen hat. Treibstoffe aus Mineralöl wurden seit Nicolaus Otto und Rudolph Diesel hauptsächlich aus Kostengründen bevorzugt.

So gesehen sind die hohen Benzin- und Dieselpreise langfristig eher ein Segen für die Menschheit, weil jetzt Autohersteller und Treibstoffkonzerne durch den Druck der Konsumenten gezwungen sind, ernsthafte Alternativen zu entwickeln und sich nun auch Systeme lohnen, die vorher zu teuer oder zu umständlich waren.

Zum Beispiel findet neben "Bio-Diesel", bei dem Raps-Öl in einem recht aufwändigen Verfahren dünnflüssig und leichter brennbar gemacht wird, jetzt normales, kaltgepresstes Pflanzenöl besonders bei deutschen Diesel-Fahrern immer mehr Anklang. Autos, die bei unseren Nachbarn um zirka 900 Euro auf Salatöl umgetrimmt wurden, haben zwei Treibstofftanks. Der Motor wird mit normalem Diesel-Treibstoff gestartet. Das Salatöl aus dem Haupttank wird in der Zwischenzeit auf 70 Grad vorgeheizt, damit es dünnflüssig genug ist. Dann wird umgeschaltet, und der Wagen fährt "biologisch", bis er wieder abgestellt wird. Am Ende der Fahrt muss der Lenker einen Knopf drücken, damit wieder Dieselöl ins System kommt. So wird verhindert, womit Treibstoffhersteller bei normalem Bio-Diesel kämpfen: Reines, kaltes Pflanzenöl verstopft die Leitungen.

Auch Hollywood-Star Megan Ryan (mit Sohn) fährt in Kalifornien alternativ-hybrid einen Toyota Prius
Foto: Toyota

Die Vorteile dieser Methode, die allerdings speziell bei winterlichen Temperaturen technisches Wissen und Umsicht der Salatöl-Fahrer erfordert: Bei Bio-Diesel werden mehr als 30 Prozent des Energiegehalts zur Produktion verbraucht. Bei kaltgepresstem Pflanzenöl sind es nur zirka 15 Prozent. Pflanzenöl ist also deutlich günstiger in der Herstellung. Außerdem hat es einen höheren Energiegehalt als Bio-Diesel und enthält rund fünf Prozent gebundenen Sauerstoff, wodurch der Verbrauch gesenkt wird. Zusätzlich fällt die Mineralölsteuer weg, was in Deutschland, wo es viele Raps-Anbauflächen gibt, den Preis von derzeit zirka 60 Cent pro Liter (allerdings nicht im Supermarkt !) sehr attraktiv macht.

Die Nachteile: Nicht alle Dieselautos können umgerüstet werden. Um alle Autos in Europa auf diese Weise zu betreiben, bräuchte man gigantische Raps-Plantagen. Und das System ist noch nicht völlig erprobt, weshalb die Auto-Hersteller davor warnen. Die Idee zeigt aber, dass es noch vieles auf dem Autosektor gibt, das sich lohnt, mit etwas Mut zu erproben.

Der beste Beweis dafür ist derzeit in Kalifornien zu sehen, wo eines der ersten serienreifen Hybrid-Familienautos, der Toyota Prius, alle Verkaufsrekorde schlägt. Hybridautos wie der Prius fahren je nach Bedarf umweltfreundlich und geldbörsel- schonend mit Elektro- oder Benzinmotor, was auch Stars wie Meg Ryan, Leo DiCaprio und Sting zu schätzen wissen. Und die Regierung Schwarzenegger hat nun sogar eigene Fahrspuren auf den chronisch verstopften Highways speziell für Hybrid-Fahrzeuge freigegeben.

Die Wiener Linien betreiben ihre Busse für die Stadt schon seit den 60er Jahren mit russfreiem Flüssiggas.
Foto: Wiener Linien

Nicht unbedingt aus Umwelt-, sondern ursprünglich aus Kostengründen setzten die Wiener Linien schon in den 60er Jahren auf Busse, die mit Flüssiggas betrieben werden. Flüssiggas wird in vielen Ländern Südamerikas und Asiens von Autofahrern bevorzugt, weil es billiger ist. Es hat aber noch einen großen Vorteil gegenüber Diesel, wie Johann Ehrengruber, Sprecher der Wiener Linien, erklärt: "Wir betreiben heute alle unsere knapp 500 Busse umweltfreundlich ausschließlich mit Gas. Die Reichweite ist mit 500 Kilometern mehr als ausreichend, und in den Abgasen ist kein Ruß." Ein Umweltbonus, den auch Shell und Co. bei der Entwicklung neuer synthetischer Kraftstoffe wie "GTL" und "BTL" aus Gas oder Biomasse nützen. Der Zusatzvorteil: Zapfsäulen müssen für diese neuen Spritsorten nicht aufwändig umgerüstet werden, wie dies in etwas fernerer Zukunft für Wasserstoff-Autos der Fall sein wird.

Aber auch hier sind fast alle großen Autokonzerne eifrig beim Tüfteln, denn das System mit Wasserstoff und Brennstoffzelle, das auf modernen Flughäfen wie in München bereits für die Transfer-Busse genützt wird, wäre für die Umwelt mit Sicherheit das Beste, weil nur harmloser Wasserdampf als "Abgas" anfällt.

Tipp: Da sich nicht jeder von heut auf morgen ein neues, sparsames Hybrid-Auto anschaffen kann und Österreichs Autofahrer jetzt unter den hohen Treibstoffkosten leiden, haben wir nützliche Spritspar-Tipps vom Innsbrucker Gasfuß-Profi Gerhard Plattner für die Autofahrer der Gegenwart zusammengestellt. Vieles davon ist sicherlich bekannt. Anderes dagegen ganz neu. Nachlesen lohnt sich!


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© Eine Reportage von Pkwtest Online-Magazin (18-09-05) – Feedback und Anfragen bitte an tubbs(at)pkwtest.com