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Nicht immer finden Autotests in dem Umfeld statt, für welches ein Fahrzeug eigentlich geschaffen wurde. Zum Beispiel suchen Tausende Landwirte in Österreich und Deutschland jedes Jahr einen alles könnenden fahrbaren Untersatz, der sich nicht nur auf Landstraße und Autobahn wohl fühlt, sondern der auch auf steilen Forstwegen bei oft schwierigen Wetterbedingungen besteht.
Wir hatten die Gelegenheit, einen solchen Kandidaten für Berg und Tal auf mehr als 8000 Kilometer auf Herz und Nieren zu testen. Und der Skoda Octavia Scout benahm sich bei dieser Härteprüfung kurz gesagt wie ein Fisch um Wasser. Oder näher an der Wahrheit: wie der umworbene Bulle als Begleiter eines Viehhirten mit einer Herde von 70 Rindern. Die holprige Schotter-Forststraße hinauf und hinunter, um Weidezäune zu setzen, Wendemanöver auf engstem Raum, wo ein höherer Radstand wichtig ist, und natürlich tägliche Exkursionen, um Viehsalz zu den Tieren zu bringen, was den Scout für die Schleckermäuler in der Herde tatsächlich fast so interessant machte wie den Stier im Küheharem.
18 Zentimeter Bodenfreiheit (17 mm mehr als der gewöhnliche 4x4 Octavia Combi) ermöglichen da schon das eine oder andere Fahrmanöver, das sonst nur echten Geländeautos vorbehalten ist, die sich dann natürlich noch durch Geländeuntersetzung und Offroad-Reifen von Beinahe-Alleskönnern wie dem Scout unterscheiden. Herabgefallene Steine nach starkem Regen auf dem steilen Forstweg, hohes Gras und Zwergsträucher in der wildwuchernden Mitte zwischen den beiden Spuren sind aber auch für den Scout kein Problem, der 4cm mehr Spielraum hat, als der normale Octavia. Als Extra hatte der tschechische Pfadfinder mit VW-Genen eine abnehmbare Anhängerkupplung, die ihn in zwei Minuten zum echten Lasttier werden ließ. Wobei ein Kofferraumvolumen zwischen 580 und 16230 Liter bei ebener Ladekante sowieso schon den Transport von einigen Säcken Gerstenschrot und Zaunpflöcken ermöglicht.
Im Testauto versah der robuste 140-PS-Diesel (Pumpe-Düse-Technik) gemeinsam mit einem sauber schaltenden Sechsgang-Getriebe seinen Dienst, was trotz Allradantrieb den Gesamtverbrauch um die sieben Liter hielt.
Auch nach rauester Gangart über Stock und Stein war kein Klappern oder Scheppern zu hören, und die solide Verarbeitung ist jederzeit zu spüren. Einzig an der in Wagenfarbe lackierten Stoßfängerverkleidung des Scout löste sich der Lack. Ein Schönheitsfehler, der laut Hersteller ein absoluter Einzelfall war.
Ein dezentes Highlight ist die Berganfahrhilfe (80 Euro extra): Einfach bei Bedarf das Bremspedal im Stand etwas kräftiger durchdrücken, dann hält die Bremse ein paar Augenblicke lang auch bei gelöstem Fußpedal bis das Auto wirklich wegfährt. Ausgestattet ist unser "Pfadfinder" (u.a.) mit 6 Airbags, ABS mit ASR und ESP, Regensensor, Nebelscheinwerfern, ISOFIX-Vorbereitung, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, Climatronic, beheizbaren Vordersitzen und Alufelgen.
Als Extra an Bord (u.a.): CD-Radio/Navigationsgerät (1850 Euro), Tempomat (185 Euro), Xenonlicht (750 Euro), Freisprechanlage mit Bluetooth (300 Euro), abnehmbare Anhängerkupplung (435 Euro).
Praxis im Skoda Octavia Scout TDI
Motor/Antrieb (Note 2)
Plus: Sparsame, vernünftige Dieselmotorisierung; ausreichende Leistung auch bei Volllastbetrieb (z. B. mit kleinem Anhänger) auf Bergfahrten.
Minus: Beim Anfahren und Gangwechseln (bes. auf Bergstraßen) fehlt von unten heraus Schub.
Komfort (Note 2)
Plus: Sehr gute, langstreckentaugliche Vordersitze; gute Lärmdämmung, besonders wenig Windgeräusche bei höherem Tempo.
Minus: Schminkspiegel nicht beleuchtet; Beinauflage hinten nicht ideal.
Fahrverhalten (Note 1)
Plus: Präzise 6-Gang-Schaltung; straffes, dennoch komfortables Fahrwerk, das (auch dank 4WD) schnelle Lastwechsel auf kurvigen Landstraßen gut verträgt. Höhere Bodenfreiheit ermöglicht Einsatz auf Forstwegen.
Platz/Variabilität (Note 2)
Plus: Üppige Bein- und Kopffreiheit; ausreichend Ablagen; Rückbank asymmetrisch geteilt umlegbar (mit Durchreichklappe); Ladekante eben, aber hoch.
Minus: Rückbank nicht zur ebenen Ladefläche faltbar.
Messwerte (Note 2)
Topspeed: 197 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 10,2 Sekunden. Testverbrauch: 7,6 Liter auf 100 km. Preis: 31.520 Euro; Test-Version mit Extras: 35.975 Euro (inkl. aller Abgaben in Österreich)
Daten ab Werk
Motor
Vierzylinder Turbodiesel- Direkteinspritzer, System Pumpe-Düse; Hubraum 1968 ccm; max. Leistung 103 kW (140 PS) bei 4000/min., max. Drehmoment 320 Nm bei 1750/ min.
Kraftübertragung
Manuelle 6-Gang-Handschaltung, Knüppelschaltung, permanenter Allradantrieb mit elektronisch geregelter Drehmomentverteilung über Mehrlamellen-Haldex- Kupplung.
Fahrwerk und Karosserie
Selbsttragendes Chassis; vorne McPherson-Federbeine mit Dreiecksquerlenkern und Torsionsstabilisator, hinten Mehrlenkerachse mit einem Längslenker, drei Querlenkern und Torsionsstabilisator; direkte Zahnstangenlenkung mit elektromechanischer Servolenkung; vier Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet).
Verbrauch
auf 100 km (lt. Werk): städtisch 8,0, außerstädtisch 5,4, gesamt 6,4 Liter.
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