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Es gab eine Zeit, da war Autofahren noch ein richtiges Macho-Handwerk. Der Einstieg erfolgte über massive Trittbretter, Türen krachten mit Echo ins Schloss. Der Schalthebel war groß wie ein Vorschlaghammer, die Seitenspiegel halfen bei Rückenwind beim Beschleunigen und an der Zapfsäule konnte man einen Kaffee trinken gehen bis der Tank voll war. Solche Autos brauchten keine Straßen, sie nahmen sie zur Kenntnis. Höhenmesser und Kompass saßen dort wo heute Spritverbrauchsanzeige und Cupholder wuchern. Und wenn die Welt draußen unterging, legte man den Allrad mit Differentialsperre ein und hatte erst so richtig Spaß.
Es war die Zeit der Drachen, der Jungfrauen und der Ritter. Und natürlich der Schlachtrösser, die man im Anhänger ins Abenteuer mitführte. Aus dieser Zeit stammt der Mitsubishi Pajero und das Fahrgefühl, das er (noch immer) vermittelt. Und damit ist schon fast alles über ihn gesagt.
Der Pajero Fünftürer ist etwas für Guts- und Pferdebesitzer (am besten im gatschigen Schottland) oder für die Missionsarbeit im bolivianischen Dschungel, ein Spezialist für die abgelegenen Ecken der Welt. Und für diese Tugenden bezahlt man auch seinen Preis (Einstieg ab 36.190 Euro ohne dritte Sitzreihe). Für alles andere ist er mit seinem zuschaltbaren, variablen und bei Bedarf auch untersetzten Allradantrieb entweder zu schade (Autobahnfahren) oder ungeeignet (Großstadtmanöver).
Betrachtet man den wohlgeformten japanischen Edel-Kletterer in punkto Alltagstauglichkeit fällt Folgendes auf: Trotz durchzugsstarkem Diesel erscheint die fast 2,3 Tonnen schwere Karrosserie träge bei schnellen Manövern. Die Ablagen in den Türen wirken geizig und die Navi veraltet. Dem gegenüber steht ein üppig-souveränes Raumgefühl, ein vermutlich unübertroffen großes Glasschiebedach (in der Version Instyle) und ein seitlich öffnendes Kofferraumtor, das eine herrlich breite Ladefläche freigibt.
Die getestete Topversion (von vier) Instyle protzt zudem mit überkompletter Ausstattung. Mit an Bord sind dann u.a.: sechs Airbags, Klimaautomatik mit eigener Bedienung hinten), Ledersitze mit Sitzheizung, Licht- und Regensensor, Xenonlicht, Rückfahrkamera, Tempomat, Navi, Rockford Audio-System mit zwölf Boxen, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, etc.
Praxis im Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D Automatik
Motor/Antrieb (Note 2,5)
Plus: Kraftvoller, souveräner, großer Dieselantrieb, im Vergleich zum Vorgänger überarbeitet und daher mit in dieser Gewichtsklasse noch akzeptablem Praxisverbrauch.
Minus: Motor trotz Akkustik-Verbesserungen beim Beschleunigen innen recht laut und archaisch.
Komfort (Note 2)
Plus: Feine Sitze vorne; üppige Kopffreiheit; reichlich Haltegriffe fürs Gelände; riesiges Schiebedach.
Minus: Bord-PC (mit Navi) mit grober Pixelgraphik altmodisch und ist umständlich zu bedienen; kein echter Durchschnittsverbrauch; Beinauflage hinten schwach.
Fahrverhalten (Note 2)
Plus: Auf Schotter und Forstweg souverän; hervorragende Geländegängigkeit; große Bodenfreiheit; 3500 kg Anhängerlast.
Minus: Ein Fahrgefühl wie "in alten Zeiten" mit Nicken, Wanken und Neigen beim Bremsen und Einlenken; in der Stadt deplatziert.
Platz/Variabilität (Note 3)
Plus: Naturgemäß großzügige Platzverhältnisse für vier Personen und Gepäck; dritte ausklappbare Reihe mit Notsitzen bei Bedarf.
Minus: Vergleichsweise wenig nutzbare Ablagen vorn; das fummeliges Klappsystem für zweite und dritte Reihe ist gewöhnungsbedürftig.
Messwerte (Note 2)
Topspeed: 180 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 11,1 Sekunden. Testverbrauch: 10,5 Liter auf 100 km. Preis: 59.440 Euro; (Testauto mit Automatik und Ausstattung Instyle inkl. Navi, Glasschiebedach und Leder; Metallic-Lack als Extra um 590 Euro; inkl. aller Abgaben in Österreich)
Daten ab Werk
Motor
Vierzylinderdiesel mit Commonrail-Technik, Turbolader und Ladeluftkühler, Hubraum 3200 ccm; maximale Leistung 147 kW/200 PS bei 3800/min., maximales Drehmoment 441 Nm bei 2000/min; Verdichtung 16,0:1; CO2: 224g/km.
Kraftübertragung
Hinterradantrieb mit zuschaltbarem Allrad und Reduktionsgetriebe; Fünfstufen-Automatikgetriebe.
Fahrwerk und Karosserie
fünftüriger Geländewagen mit sieben Sitzen; selbsttragende Karosserie mit Hilfsrahmen, vorne doppelte Dreiecksquerlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorne und hinten Schraubenfedern, Kurvenstabilisator; ABS, ESP, TCS und Bremsassistent, vorne und hinten Scheibenbremsen, Handfeststellbremse auf die Hinterräder; Reifen 265/60 R 18, Felgen 7.5 J.
Abmessungen und Gewicht
Länge/Breite/Höhe in mm: 4900/1875/1890; Eigengewicht: ab 2265 kg; Wendekreis: 11,4 Meter; Tankinhalt: 88 Liter.
Verbrauch
auf 100 km (lt. Werk): städtisch 10,4, außerstädtisch 7,4, gesamt 8,5 Liter.
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