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Mercedes S 400 Hybrid: Noble Stille an der Ampel

Auch in der Oberliga will man grüner unterwegs sein. Die Stuttgarter statten ihren ersten Hybrid gleich mit Lithium-Ionen-Akkus aus.



Mercedes S400 Hybrid Front
Picture by Mercedes

Immerhin: Mein Handy und dieser "grüne" Luxusdampfer auf Rädern haben etwas gemeinsam: Beide haben einen Lithium-Ionen-Akku. Da fährt sich eine S-Klasse, von der pro Jahr bei uns ca. 250 Stück verkauft werden, auch für einen Normalverbraucher gar nicht mehr so exotisch.

Mercedes prescht hier wieder einmal technologisch vor und kombiniert den Motor seines etablierten S 350 in Verbindung mit einem milden Hybridantrieb mit Batterien der nächsten Generation. Heraus kommt der S 400 Hybrid, seines Zeichens erstes Serienfahrzeug der Welt mit Lithium-Ionen-Akkus. Ein (Fort-)Schritt, der allerdings aus Kostengründen wohl bisher nur in dieser Preisklasse möglich ist.

Mercedes S400 Hybrid Cockpit
Picture by Mercedes

"Milder" Hybrid heißt hier einmal mehr, dass der E-Motor nur Unterstützung bietet, also nicht selbst rein elektrisch das Kommando übernimmt. Vergleicht man die Verbrauchswerte mit jenen des S 350 wo derselbe Benziner werkelt, kommt der S 400 Hybrid (bei 60 Kilo Mehrgewicht) auf einen Mix-Verbrauchsvorteil von stattlichen 2,1 Litern. Allerdings ist die Konfiguration des derzeitigen S 350 schon vier Jahre alt und wurde für den Hybrid verfeinert und auf den aktuellen Stand gebracht. Ebenfalls Spritsparen hilft natürlich das Start/Stopp-System, das den Motor beim Ampeln abstellt.

Im S 400 übernimmt der 20 PS starke Elektroantrieb zudem die Funktion des Startermotors und der Lichtmaschine. Energie wird beim Bremsen und Ausrollen lassen zurückgewonnen (Rekuperation).

In der Praxis merkt man vom Hybridantrieb nichts. Es gibt einen Menüpunkt im Bordcomputer, in dem man das Laden und Entladen der Akkus graphisch mitverfolgen kann, aber das war's. Nur der "Hybrid"-Schriftzug am Heck zieht imageträchtig neugierige Blicke auf sich.

Zur aktuellen S-Klasse im Allgemeinen ist zu sagen: Klarerweise alles vom Feinsten; ein Platzhirsch, der seine Wirkung nirgends verfehlt. Sehr gefallen hat der schlaue Mechanismus der Mittelkonsole, deren Deckel sich sowohl von Fahrer-, als auch von Beifahrerseite elegant öffnen lässt.

Wenn man sich Mühe gibt Kritikpunkte zu finden: Der Tempowarner, der eigentlich die aktuellen Limits einblenden sollte, meldete mitten in Wien gelegentlich 100, 110 oder gar 130 km/h als Speedlimit, das Knöpfchen für die Fahrwerksverstellung "Comfort/Sport" oben im Armaturenbrett ist seltsam platziert und die Abstandssensoren reagieren (wenn man nicht gerade ganz gemächlich beim Einparken ist) etwas spät.


Mercedes S400 Hybrid Heck
Picture by Mercedes
Praxis im Mercedes S 400 Hybrid

Motor/Antrieb (Note 1,5)
Plus: Reichlich Schmalz um die 1,9-Tonnen-Sänfte auch beim Überholen souverän wirken zu lassen. Hier wirkt das Zusatzdrehmoment des E-Motors. Dass man einen (milden) Hybrid fährt merkt man eigentlich nur am Heck-Schriftzug. Fortschrittlich: Erstes Serienauto mit Lithium-Ionen-Akku.
Minus: Der Verbrauch solcher Autos (trotz Hybrid und Start/Stopp) im Allgemeinen.

Komfort (Note 1)
Plus: Aaah, serienmäßige Luftfederung! Aber auch sonst gibt es in dieser Liga natürlich nichts, das man nicht zumindest als Extra kaufen könnte. Fein sind die kühlbaren Frontsitze und der eingebaute "Konzertsaal" - obwohl man vom CD-Radio doch erstaunlich viel nach außen hört.

Fahrverhalten (Note 1,5)
Plus: Dank verstellbarer Luftfederung und 7G-Tronik-Getriebe kann man ganz vortrefflich sowohl gleiten als auch hetzen. Dennoch lenkt man eindeutig ein gediegenes Komfortgefährt.
Minus: Ehrlich? Die Sympathiewerte sind mit einem Kleinwagen in der Stadt deutlich höher. Und naturgemäß rangiert es sich in der City wie mit einem Schlachtschiff im Yachthafen.

Platz/Variabilität (Note 1,5)
Plus: Wenn hier nicht überall reichlich Kopf-, Bein und Kofferraumfreiheit wäre, wo dann? Fein sind die (als Extra erhältlichen) verstellbaren Rücksitze.
Minus: Besitzer einer S-Klasse fahren zwar nicht zu Ikea, um ein Billy-Regal einzuladen, aber es muss schon gesagt sein: Die zweite Reihe lässt sich nicht umklappen. Immerhin gibt es aber einen Skisack (Extra).

Messwerte (Note 2)
Topspeed: 250 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 7,2 Sekunden. Testverbrauch: 11,3 Liter auf 100 km. Preis: ab 100.980 Euro (inkl. Österreich-Paket); Test-Version mit Extras wie Leder, Nachtsichtgerät, Alu-Räder: 115.598 Euro (inkl. aller Abgaben in Österreich)

Daten ab Werk

Motor
Benzinmotor: Sechs Zylinder in V (90 Grad), Hubraum 3498 ccm; 205 kW/279 PS (gesamt 220 kW/299 PS) bei 6000/min., 350 Nm (gesamt 385 Nm) ab 2400/min; Verdichtung 10,7:1; CO2: 186 g/km. Elektromotor: 3-Phasen-Drehstrom-Motor, 15 kW/20 PS, 160 Nm; Li-Ionen-Batterie.

Kraftübertragung
auf die Hinterräder; 7-Stufen-Automatikgetriebe (7G-Tronik); Lenkradschaltung.

Fahrwerk und Karosserie
viertürige Luxuslimousine; selbsttragende Karosserie mit Hilfsrahmen, vorne Federbeine, Dreiecksquerlenker, Querlenker, Zugstreben, hinten Verbundlenkerachse, v./hi. Luftfederung mit Niveauregulierung; v./hi. Kurvenstabilisator; ABS, ESP, vorne und hinten Scheibenbremsen, elektr. Handfeststellbremse auf die Hinterräder; Reifen 235/55 R 17, Felgen 8.0 J.

Abmessungen und Gewicht
Länge/Breite/Höhe in mm: 5096/1871/1479; Eigengewicht: ab 1880 kg; Wendekreis: 11,8 Meter; Tankinhalt: 90 Liter.

Verbrauch
auf 100 km (lt. Werk): städtisch 10,7, außerstädtisch 6,3, gesamt 7,9 Liter.

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© Ein Testbericht von Pkwtest Online-Magazin (24-12-09) – Feedback und Anfragen bitte an tubbs(at)pkwtest.com