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Der durchaus ernst gemeinte Titel dieser Reportage ist "Tierquälerei". Deshalb nämlich, weil man uns den Wrangler Rubicon mitten in einer Büro-Arbeitsphase zum Testen verpasste. Keine Gelegenheit ins Gelände zu fahren, keine Felsen zum Klettern, keine rutschigen Baumstämme um einen Fluss zu überqueren, keine Furten um bis zur Fensterkante im Wasser zu stecken.
Ja, wir wissen, was dieses Auto, der Jeep Wrangler, in der Wildnis zu leisten imstande ist, nur leider müsste man dazu Gameranger in Simbabwe sein oder in der Mongolei eine Jurte besitzen. Deshalb gingen wir der Frage nach, wie sinnvoll dieses Fahrzeug in der Stadt ist bzw. wie man damit zwischen all den kleinen Autochens zurecht kommt.
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Rubicon ist in der Stadt schlimmer als ein Lieferwagen: Man findet zwar auch keinen Parkplatz, aber dafür sind die anderen Verkehrsteilnehmer etwas entgegekommender. Der Rubicon kennt keine Sympathie, dafür ist er zu groß, frisst zu viel Sprit, wirkt zu sinnlos für Städter. Einzig die Angst im Kleinwagen überrollt zu werden wirkt beim Einordnen. Wenn man jemals einen Fußgänger vorn auf die Hörner nehmen würde, kann dies beim Wrangler, mit seiner fetten "Unterlippe" in Knie/Oberschenkelhöhe und der senkrechten Kühlerfront nur ein sicherheitsmäßiger Alptraum sein. Da bleibt den Passanten nur, sich flach auf den Boden zu werfen. Sich verletzungsfrei überfahren zu lassen sollte sich bei einer Bodenfreiheit von 25,3 cm eigentlich gut ausgehen.
Ansonsten: Ein automobiler Dinosaurier mit allen Vor- und Nachteilen. Wobei die "Vorteile" hauptsächlich im rüden Charme liegen. Größtes Manko, das man ihm wirklich als schlecht ankreiden kann (ob Stadt oder Gelände): der Kühler liegt völlig ungeschützt hinter den breiten Gitterstäben des Front-Geheges. Schon nach einigen Winterkilometern in der Stadt waren bei unseren Test-Wrangler die brutalen Einschläge von Straßensplit zu sehen. Das kann ja wohl auch im Gelände nicht von Vorteil sein, oder?
"Unlimited" steht bei Wrangler übrigens originellerweise für "fünftürig".
Serienmäßig im getesteten überkompletten Wrangler Rubicon Unlimited unter anderem: ABS, ASR, ESP, Reserverad, CD-Wechsler-Radio mit 6 Lautsprechern und Subwoofer, Klimaanlage, Lederlenkrad, Tempomat.
Praxis im Jeep Wrangler Rubicon 2.8 CRD Unlimited
Motor/Antrieb (Note 3)
Plus: Der "Murl" ist bestimmt sehr zuverlässig und säuft auch nicht in der tiefsten Furt ab. Leider hatten wir keine Chance das auszuprobieren...
Minus: Der Motorist laut, hängt zäh und träge am Gas und will ergo getreten werden, wenn er die mehr als zwei Tonnen Leergewicht des Rubicon bewegen will. Demenstprechend fällt der Verbrauch aus.
Komfort (Note 3)
Plus: Man würde die gepolsterten Überrollbügel zu schätzen wissen, wenn man sie je bräuchte. Tasächlich gut sind die Vordersitze. Und der Überlick im Straßenverkehr ist auch nicht schlecht.
Minus: Die Beinauflage in der zweiten Reihe gehört zu den schlechtesten, die wir je unterm Hintern hatten. Hartplastik und unverkleidetes Metall wohin man sieht. Und bei der Dämpfung/Federung braucht man vor allem hinten einen guten Magen.
Fahrverhalten (Note 3)
Plus: Wenn wir mit diesem Auto die Eiger Nordwand bezwingen müssten, würden wir die phantastischen Klettereigenschaften loben, die genial hohe Bodenfreiheit, die Vielseitigkeit durch das sperrbare Differential und den Kriechgang. Außerdem wären wir fasziniert von den Neigungswinkeln, die hier möglich sind. So aber bleibt im Alltagsverkehr leider nichts positives über das Fahrverhalten zu sagen.
Minus: Die Lenkung ist extrem indirekt, das Auto ist furchtbar unübersichtlich durch die massiven Radkästen und die Riesenlippe vorn. Der Schwerpunkt ist zu hoch, um ordentlich in die Kurve zu gehen und wenn man es doch tut, muss man sich vor dem Ausfedern fürchten, denn man würde bei dem schlecht abgestimmten Gezitter Blattfedern vermuten. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h will man jedenfalls niemals ausprobieren müssen.
Platz/Variabilität (Note 3)
Plus: Na, wenn in diesem Auto kein Platz ist, wo dann. Die hinteren Sitze lassen sich asymettrisch umklappen zu einer (für den ansonsten sehr spartanischen Auftritt) erstaunlich ebenen Ladefläche. Die Kopf- und Kniefreiheit sind super. Das Dach lässt sich bei Bedarf (!) in allen möglichen Varianten um- und wegklappen. Allerdings hat das System einen Touch von Weltkrieg II behalten.
Minus: Seufz. Es ist nun einmal einfach der gute alte Jeep. Das wirkt charmant, modern oder gar praktisch ist es aber nicht. Keine neuen Lösungen, keine raffiniert öffnende Heckscheibe.
Messwerte (Note 3)
Topspeed: 180 km/h. Von 0 auf 100 km/h in ca. 12 sec., Testverbrauch: 16,1 Liter auf 100 km. Preis: 44.390 Euro (inkl. aller Abgaben in Österreich)
Daten ab Werk
Motor
Reihen-Vierzylinder mit Turbolader und Ladeluftkühler; Hubraum 2777 ccm; max. Leistung 130 kW/177 PS bei 3800/min., max. Drehmoment 400 Nm bei 2000/min.; Verdichtung 17:1.
Kraftübertragung
zuschaltbarer Allradantrieb "Rock-Trac" mit 4:1 Geländeuntersetzung, Differentialsperre und elektronisch entkoppelbarem Frontstabilisator; Fünf-Stufen-Automatik.
Fahrwerk und Karosserie
Kastenrahmen mit Traversen, vorn und hinten Starrachse mit Doppel-Längslenkern, Reaktionsstreben, Panhardstab und Stabilisator, Schraubenfedern, Zweirohr-Teleskopdämpfer; Vierrad-Scheibenbremsen (vorne belüftet), ABS, Offroad ABS, 3-Stufen- ESP, ASR; Handbremse auf die Hinterräder; Reifen 255/75 R 17, Felgen 7.5 J; Länge/Breite/Höhe in mm: 4751/1865/1877 (ohne Spiegel); Eigengewicht: ab 2055 kg; Wendekreis: 12,3 Meter; Tankinhalt: 66 Liter.
Verbrauch
auf 100 km (lt. Werk): städtisch 12,6, außerstädtisch 8,4, gesamt 9,9 Liter. Diesel (mit Partikelfilter).
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