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Die Welt dreht sich ja doch weiter. Und so sind Hybridautos anno 2009 nicht mehr nur in den Herzeige-Fuhrparks von Hollywoods Filmstars zu finden, sondern auch bei uns im Alltagsbetrieb. Honda will mit dem Insight dem Erfolgs- und (vor allem) Prestigelauf von Toyota Paroli bieten und demonstriert dies mit einem sehr erschwinglichen Basis-Hybridmodell ab 19.990 Euro.
Wo (in der Theorie) Licht ist, ist aber (in der Praxis) auch Schatten, der sich am ehesten abseits der Normverbrauchs-Laborwerte zeigt: Laut Prospekt soll der Insight nämlich mit Hilfe seines zuschaltbaren Elektroantriebs sowie Start/Stopp-Technik in der Stadt (!) 4,7 Liter verbrauchen, was leider bei unvorhersehbaren Bremsmanövern im Stau, einem Wiener Gürtel mit roter Welle, aber auch bei ganz normalem städtischen Verkehrsaufkommen (inkl. Tangente) trotz größter Bemühungen bar jeder Realität ist. Da pendelt der Verbrauch laut Bordanzeige eher zwischen 6 und 9,5 Litern - ganz so wie bei jedem anderen normalen Auto. Schuld sind einmal mehr die unrealistischen Norm-Messbedingungen auf die die Hersteller ihre Fahrzeuge natürlich punktgenau hintunen.
Auf der Lichtseite: Hondas eingebautes Spritspar-Erziehungsprogramm ist gelungen und macht sogar Spaß. Der Fahrer kann mit Streichel-Gasfuß virtuelle Bäumchen auf dem Display wachsen lassen und wird für seine Öko-Stil mit grünem (statt blauem) Hintergrund-Leuchten belohnt sowie mit Blüten auf seinem Langzeit-Sprit-"Bonsai". Ehrlich: Ein solches "Baumschule"-Lernsystem mit vergleichsweise wenig Aufwand würde jedem modernen Auto gut tun. Schließlich ist der Mensch ja von Natur aus verspielt.
Nüchternes Fazit: Tolle Technik - ein Hoch auf jene, die sich was trauen -, aber (noch) wenig Nutzen. Wer mit einem sparsamen Benziner so fährt, wie der Bord-PC es von einem Insight-Fahrer verlangt, wird ähnlich schöne Verbrauchswerte erzielen. Nur im absoluten Supersparbereich (hügelige Überland-Fahrt, kleine Dörfer und Vorstädte, keine Großstadt-Rushhour und keine Autobahn) - das zeigte uns ein Honda-Techniker bei einer Testfahrt - lässt der Insight einen vergleichbaren Benziner verbrauchsmäßig hinter sich. Da sind dann echte 4,5 Liter drinnen und der Wagen rollt im Bereich von ca. 30 und 50 km/h in einem sehr schmalen Leistungsband sogar rein elektrisch dahin. Dazu muss man dann aber auch trotz Sommertemperaturen unbedingt die Klimaautomatik abschalten und stattdessen die Fenster öffnen, denn die Start/Stopp-Automatik für rote Ampeln - ein verbesserbares Manko - stellt im Eco-Modus nicht etwa die Klimaanlage für die Dauer der Standzeit rigoros ab, sondern lässt den Motor nach wenigen Sekunden wieder anspringen, um die Kühlung und Entfeuchtung koste es was es wolle fortzusetzen.
Serienmäßig in der getesteten Topversion "Elegance" u.a. : ABS mit EBD, ESP, sechs Airbags, Alarmanlage, Einparkhilfe, Tempomat, Licht- und Regensensor, Klimaautomatik, CD-Radio, Bluetooth,
Als Extra: Metallic-Lack (470 Euro), Xenonlicht (790 Euro), Navigation (2500 Euro) – Preise in Österreich.
Praxis im Honda Insight 1.3 Elegance
Motor/Antrieb (Note 2)
Plus: Applaus für die Serien-Umsetzung eines erschwinglichen Hybridantriebs; beschleunigt sehr gut aus dem Stand (dank zugeschaltetem E-Motor).
Minus: Praxis-Verbrauch ist noch nicht so, dass es lohnt; Motor beim Beschleunigen recht laut und beim Überholen zäh.
Komfort (Note 2)
Plus: Gute Frontsitze; ordentliche Verarbeitung; Bord-PC trotz komplexer Technik und viel Infos übersichtlich.
Minus: Ladekante für Kofferraum hoch; viel hartplastik in Innenraum.
Fahrverhalten (Note 2)
Plus: Neutrales gutmütiges Fahrwerk; solide, etwas indirekte Lenkung; Fahrzeug lässt sich ohne Automatik bequem mit Lenkradwippen schalten.
Minus: Heckpartie nicht besonders übersichtlich; Hupe sehr leise.
Platz/Variabilität (Note 2)
Plus: Ordentliche Platzverhältnisse und ausreichend Ablagen vorn; ebene Ladekante; Kofferraum mit Geheimfach.
Minus: Hinten in der Mitte kann man nicht wirklich sitzen (Polster zu hoch, zu hart); Kopffreiheit und Beinauflage im Fond schwach.
Messwerte (Note 2)
Topspeed: 182 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 12,4 Sekunden. Testverbrauch: 7,3 Liter auf 100 km. Preis: ab 22.790 Euro (Ausstattungsversion "Elegance").
Daten ab Werk
Motoren
Benzinmotor: Vierzylinder in Reihe, 1339 ccm; 65 kW/88 PS bei 5800/min. (gesamt 72 kW/98 PS), 121 Nm bei 4500/min; Verdichtung 10,8:1; CO2 101 g/km.
Elektromotor: 10 kW/14PS bei 1500/min., 92 Nm bis 500/min; 100, 8 Volt Betriebsspannung, Ni-MH-Batterie
Kraftübertragung
Vorderradantrieb; stufenlose Automatik; bzw. 7-Stufen-Automatik via Schaltpaddles am Lenkrad.
Fahrwerk und Karosserie
viertürige Limousine; selbsttragende Karosserie, vorne Federbeine, Dreiecksquerlenker, hinten Verbundlenkerachse, vorn und hinten Schraubenfedern, Kurvenstabilisator; vorne und hinten Scheibenbremsen; ABS mit EBD, ESP, Handfeststellbremse auf die Hinterräder; Reifen 185/55 R 16, Felgen 6.0 J.
Abmessungen und Gewicht
Länge/Breite/Höhe in mm: 4395/1695/1425; Eigengewicht: ab 1276 kg; Wendekreis: 11,1 Meter; Tankinhalt: 40 Liter.
Verbrauch
auf 100 km (lt. Werk): städtisch 4,7, außerstädtisch 4,5, gesamt 4,6 Liter.
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