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Elektro? EIn alter Hut!

Die Schweizer Gemeinde Zermatt schwört seit 1961 auf E-Antriebe und Straßen ohne Motorlärm.



Elektro-Polizeiauto Zermatt Front
Picture by T. Micke

Wer ohne Vorahnung in Zermatt aus der Zahnradbahn auf dem Bahnhofsplatz tritt, traut zunächst seinen Ohren nicht: Auf der von Fahrzeugen und Fußgängern Meistfrequentierten Bahnhofstraße herrscht Stille. Die Vispa plätschert weiter oben vernehmlich in ihrem Bachbett, die Vögel zwitschern den Frühling herbei, und ab und zu klappert ein Pferdewagen.

Trotzdem herrscht geschäftiger Taxibetrieb zu den Hotels, Gemüse und Milch werden per Lieferwagen zum Supermarkt gebracht, und eine Baufirma liefert per Lkw gerade eine Fuhre Sand zur Restaurierung eines Chalets an der Gornegratbahn. All diese Fahrzeuge fahren rein elektrisch.

Sie sehen so kindlichquadratisch aus, wie einem Modelldorf aus Lego-Steinen entsprungen, und ein Tritt aufs "Gas" entlockt ihnen nur ein leises Surren. Neuankömmlinge aus dem Tal müssen ihre Ohren erst auf dieses Surren schulen. Die meisten Verkehrswege des Ortes werden von Fahrzeugen und Fußgängern gleichermaßen benützt, und für die Autofahrer gilt ein offizielles Tempolimit von 20 km/h.

Elektro-Zermatt Cockpit
Picture by T. Micke

Anfangs nicht gleich unter die Räder eines eilig dahinflitzenden "Matterhorn-Taxis" zu geraten, ist eine gewisse Herausforderung - die man allerdings binnen weniger Stunden bewältigt. Da wirklich alle (bis auf Müllabfuhr und Schneeräumung) mit Strom fahren, geht der charakteristische Flüsterton der Autos bei generell geringem Lärmpegel schnell ins automatische Gehör.

Zermatt verdankt seine Voll-Elektrifizierung des Straßenverkehrs (und die lustigen Schachtel-Mobile) einer speziellen Entwicklung, wie Bruno Imboden, einer der Pioniere der Öko-Autoindustrie am Fuße des Matterhorns, erklärt: "Die Straße ist nach Zermatt erst sehr spät heraufgekommen. Die Einheimischen hatten keine Autos. Und so fiel heuer vor genau 50 Jahren eine Abstimmung im Gemeinderat gegen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren aus."

Seither wurde das Reglement in der jährlichen "Urversammlung" immer weiter ausgebaut. Die E-Autos dürfen maximal 140 cm breit sein (z.B. VW Golf derzeit: 178 cm) und laut Artikel 18 des Beschlusses weder futuristisch noch wie herkömmliche Pkw aussehen. Private sind überhaupt vom Besitz solcher Fahrzeuge ausgeschlossen. Für sie bleiben Fahrrad, Taxi oder eben "Schusters Rappen". Wer als Gast nach Zermatt mit dem Auto anreist, muss dieses in einer der Tiefgaragen am Ortseingang lassen. Hier parken auch die Einheimischen ihre konventionellen Pkw, mit denen sie hinaus in die "Üsserschwyz" fahren. Die Technik der E-Mobile (großteils von zwei lokalen Herstellern produziert) ist konventionell, aber ausgereift.

Bruno Imboden: "Unsere Autos fahren mit sogenannten Traktionsbatterien, gewöhnliche, aber zuverlässige Bleiakkus, die zwischen 600 und 1000 Kilo wiegen, bei einem Fahrzeug-Gesamtgewicht von 1800 bis 3000 Kilo. Die Betriebsspannung ist entweder 48 oder 80 Volt." Eine Ladung hält je nach gefahrener Steigung zwischen ein und zwei Tagen. Jedes dieser Autos muss separat bewilligt werden. Imboden: "Es sind alles Einzelanfertigungen, von denen wir acht bis zwölf Stück pro Jahr nach Kundenwunsch bauen."

Exklusiv ist dann auch der Preis: Umgerechnet 45.000 bis 90.000 Euro muss ein Gewerbetreibender in Zermatt für seinen Elektro-Würfel ablegen. Aber das Geschäft blüht (zwangsläufig). Und ab und an wird auch ein Exemplar aus dem Mattertal exportiert.

Ende der 1970er-Jahre interessierte sich sogar die Stadt New York für das Konzept. Man überlegte, die vielen Yellow-Cab-Taxis der Metropole zu elektrifizieren. Angeblich scheiterte der Plan an der geringen Höchstgeschwindigkeit der Schweizer Alpenstromer.

Aber immerhin: Man stelle sich Manhattan heute mit lauter kleinen gelben Würfeltaxis vor...

Elektro-Taxi Zermatt Heck
Picture by T. Micke

Während andere Städteplaner derzeit mit modernen Elektrifizierungskonzepten ringen, ist dies in dem eigenwilligen Bergdorf ein alter Hut. Ob so ein radikales Konzept auch anderswo funktionieren könnte? "Das ist sicher schwierig. Wir sind mit diesem System aufgewachsen und stolz darauf. Woanders würde man eine solche Volksabstimmung wohl niemals durchbringen", glaubt Imboden. Kasten: Das E-Bergdorf In Zermatt sind derzeit 500 Elektrofahrzeuge zugelassen, vierzig davon sind Taxis für Gäste und Einheimische. Zwei lokale Hersteller produzieren jährlich jeweils ein Dutzend E-Mobile in Einzelanfertigung. Diese bieten auf einer verordneten Maximallänge von vier Metern Nutzlasten von bis zu drei Tonnen. Nur die Insassenheizung, verrät Bruno Imboden, funktioniert mit einem kleinen Diesel-Aggregat. Bio-Diesel selbstverständlich.

DAS E-BERGDORF
In Zermatt sind derzeit 500 Elektrofahrzeuge zugelassen, vierzig davon sind Taxis für Gäste und Einheimische. Zwei lokale Hersteller produzieren jährlich jeweils ein Dutzend E-Mobile in Einzelanfertigung. Diese bieten auf einer verordneten Maximallänge von vier Metern Nutzlasten von bis zu drei Tonnen. Nur die Insassenheizung, verrät Bruno Imboden, funktioniert mit einem kleinen Diesel-Aggregat. Bio-Diesel selbstverständlich.


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© Ein Testbericht von Pkwtest Online-Magazin (12-04-11) – Feedback und Anfragen bitte an tubbs(at)pkwtest.com