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Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Auto und Handy zusammenwachsen. Ford hat bereits die Bedienung seines Bord-PCs mehr oder weniger intuitiv der Tastenbelegung eines Mobiltelefons nachempfunden . Jetzt kommt Citroen mit frei wählbaren "Gratis-Klingeltönen" (noch nicht zum Downloaden aus dem Internet). So beherrscht der Blinker natürlich das klassische "Tick-Tack", darf aber auch vollhölzern tönen wie ein Xylophon oder hohl pochen wie ein Specht. Vier verschiedene Klangmenüs stehen zur Wahl und ziehen sich konsequent vom Alarmsignal für "Um Gotteswillen die Tür ist offen!" bis "Sacrament, Sie sind noch nicht angeschnallt!"
Böse Zungen behaupten Citroen wolle mit derlei Schnickschnack vom Auto ablenken. Das haben die Franzosen beim neuen C4 aber gar nicht nötig. Denn die aktuelle Generation ist - bis auf Kleinigkeiten - sehr gut gelungen. Zu diesen Kleinigkeiten gehört: Warum liegen die Wählstufen der Kulissenschaltung trotz jahrzehntelanger Erfahrung alle in einer Reihe, sodass man jedes Mal im Rückwärtsgang landet, wenn man nur auf "Neutral" schalten will? Wie soll man den optimalen Radioklang einstellen, wenn sich das Radio beim Aktivieren des Klangmenüs stummschaltet? Und - größtes der kleinen Mankos: Zu den schlecht oder gar nicht beschrifteten Drück- und Drehreglern des kniopferlüberfrachteten Lenkrads müsste man sich eigentlich Post-Its dazupicken, damit man irgendwann erlernt, was für was ist.
Stolz ist Citroen auf die Weiterentwicklung des automatischen Schaltgetriebes (früher im Volksmund "Arme-Leute-Automatik" genannt). Und das einigermaßen zu Recht. Ob man sich dieses System wirklich zulegen will, ist immer noch Geschmackssache, die automatischen Schaltunterbrechungen gewöhnungsbedürftig. Aber der neue "EGS6"-Automat schaltet (vor allem mittels Lenkradwippen) eindeutig nicht mehr so langatmig und ruppig wie ein Fahrschulanfänger. Einzig unter Druck, also wenn man einen nervösen Gasfuß hat oder eine steile Garagenausfahrt ansteht, ist das Prinzip (das entgegen einer gewöhnlichen Automatik sprit- und kostensparend ist) noch immer am Limit. Leider muss auch erwähnt sein, dass das EGS6-Getriebe während unserer Testfahrten einmal völlig den Geist aufgab. Der C4 konnte zum Glück noch händisch geschaltet werden und besann sich (trotz Neustarts) erst am nächsten Morgen wieder seiner Qualitäten.
Design- und materialmäßig wirkt der C4 innen wie außen ausgesprochen gelungen. Und am Riesenglasdach (Extra) findet man (vor allem von der zweiten Reihe aus) immer mehr Gefallen. Das getestete e-HDi-Modell ist zusätzlich mit einem so genannten "Micro-Hybrid-System" ausgestattet, das Bremsenergie in der Batterie rückspeichert und beim Anfahren wieder abgibt (wie KERS in der Formel I), nur, dass man beim C4 davon nirgends etwas bemerkt. Weder in der Anzeige, beim Anfahren, noch - merklich - im Spritverbrauch. X,X Liter Praxiskonsum haben wir bei vergleichbarer Fahrweise auch schon mit konventionell arbeitenden, offenbar aber sparsamer konstruierten Dieselmotoren deutlich unterboten. Dafür ist das Preis-Leistungsverhältnis des C4 sehr verlockend.
Serienmäßig im getesteten Citroen C4 e-Hdi Airdream in der Top-Ausstattung Exclusive u.a.: Sechs Airbags, ABS, ESP, ASR, Nebelscheinwerfer, Licht- und Regensensor, Tempomat, 230-Volt-Steckdose, Klimaautomatik, CD-Radio, Bluetooth, massierende Frontsitze.
Als Extra u.a.: Xenon-Licht, Sitzheizung, Lederausstattung, Navi, Panorama-Glasdach, Metallic-Lack.
Praxis im Citroën C4 e-HDi 110 EGS6 Airdream Exclusive
Motor/Antrieb (Note 2)
Plus: Start/Stopp-System reagiert schnell und (für einen Diesel) ausgesprochen unaufdringlich; automatisiertes Schaltgetriebe gut gelungen; ausreichende Motorisierung.
Minus: Motor könnte generell etwas leiser agieren; Praxis-Verbrauch für so viel Öko-Aufwand nicht so gut wie erhofft.
Komfort (Note 2,5)
Plus: Feine Materialauswahl; ansprechendes Innendesign (z.B. Kopfstützen); eigene Lesespots für die Hinterbänkler.
Minus: Kopfraum in zweiter Reihe schwach; Lenkradfernbedienung extrem unübersichtlich und schlecht beschriftet; auch Bord-PC verbesserungswürdig.
Fahrverhalten (Note 2,5)
Plus: Schaltwippen angenehm bei manueller Fahrweise, drehen sich aber leider mit Lenkrad nicht mit; komfortable Fahrzeugauslegung.
Minus: Fahrwerk neigt unter Kurvenbelastung etwas zu Poltern und Versetzern; Schaltkulisse könnte besser konstruiert sein.
Platz/Variabilität (Note 2)
Plus: Größter Kofferraum seiner Klasse; reichlich geschickt angelegte, geräumige Ablagen.
Minus: Kofferraumsystem altmodisch: Keine ebene Ladefläche bei umgeklappten Sitzen; hintere Sitze weder verstell- noch verschiebbar; Ladekante hoch.
Messwerte (Note 1,5)
Topspeed: 190 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 11,2 Sekunden. Testverbrauch: 6,9 Liter auf 100 km. Preis: 26.440 Euro; Test-Version mit Extras Navi, Panoramadach, Sicherheitspaket und Metallic: EUR 30.075,-.
Daten ab Werk
Motor
Vierzylinder-Commonrail-Diesel mit Turbolader und Ladeluftkühler, Hubraum 1560 ccm; max. Leistung 82 kW/112 PS bei 3600/min., max. Drehmoment 270 Nm bei 1750/min; Verdichtung 16:1; CO2: 114 g/km.
Kraftübertragung
auf die Vorderräder; automat. 6-Gang-Schaltgetriebe; Knüppelschaltung und Lenkradwippen.
Fahrwerk und Karosserie
fünftüriger Kompakt-Pkw; selbsttragende Karosserie mit vorderem Hilfsrahmen, vorne Federbeine, Dreiecksquerlenker, hinten Verbundlenkerachse, v. u. hi. Schraubenfedern, Kurvenstabilisator; ABS, ESP und Traktionskontrolle, v. u. hi. Scheibenbremsen, Handfeststellbremse auf die Hinterräder; Reifen 225/45 R 17; Felgen 6.5 J.
Abmessungen und Gewicht
Länge/Breite/Höhe in mm: 4329/1789/1491; Eigengewicht: ab 1375 kg; Wendekreis: 10,7 Meter; Tankinhalt: 60 Liter.
Verbrauch
auf 100 km (laut Werk) städtisch/überland/gesamt: 4,9/4,0/4,4 Liter.
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